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3. November 2026

75 Jahre Bundesverfassungsgericht: Erfolgreich, aber mit getrübter Bilanz

Das Bundesverfassungsgericht genießt hohes Ansehen und hat wegweisende Entscheidungen getroffen. Der Ethiker und HAI-Beirat Hartmut Kreß erinnert anlässlich des 75-jährigen Jubiläums daran, dass die Bilanz auch Schattenseiten hat, nicht zuletzt im Verhältnis von Staat und Kirche.

Am 28. Sep­tem­ber 2026 beging das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he sein 75-jäh­ri­ges Bestehen. In einem aktu­el­len Bei­trag für den Huma­nis­ti­schen Pres­se­dienst (hpd) wür­digt der Ethi­ker und HAI-Bei­rat Hart­mut Kreß die Leis­tun­gen des Gerichts, ord­net sie aber auch kri­tisch ein. 

Kreß hebt her­vor, dass das Gericht durch sei­ne Recht­spre­chung maß­geb­lich dazu bei­getra­gen hat, die Frei­heits­rech­te in der Bun­des­re­pu­blik zu stär­ken. Er ver­weist auf die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit, die Siche­rung der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit, das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung und das Urteil von 2020, das den Anspruch auf selbst­be­stimm­tes Ster­ben und fach­kun­di­ge Sui­zid­hil­fe bekräf­tigt hat. 

Zugleich sieht Kreß Anlass zu kri­ti­schen Rück­fra­gen. Er greift den Ein­wand auf, das Gericht bean­spru­che eine zu weit rei­chen­de Deu­tungs­ho­heit. Seit den 1970er Jah­ren habe das Gericht das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht sehr weit aus­ge­legt und den Kir­chen Son­der­rech­te ein­ge­räumt, „die in Deutsch­land kei­ne ande­re Insti­tu­ti­on besitzt und für die es in ande­ren euro­päi­schen Staa­ten kei­ne Ana­lo­gien gibt“. 

Der Beschluss im Fall Egen­ber­ger vom 29. Sep­tem­ber 2025 zei­ge, wie schwer sich Karls­ru­he damit tue, den Vor­rang des Euro­päi­schen Gerichts­hofs anzu­er­ken­nen. Die Ent­schei­dung fal­le zwie­späl­tig aus und habe neue Rechts­un­si­cher­hei­ten geschaf­fen. Wei­te­re Kri­tik­punk­te betref­fen die Ent­schei­dun­gen zum Schwan­ger­schafts­ab­bruch sowie die lan­ge Dau­er man­cher Ver­fah­ren, etwa bei den Ver­fas­sungs­be­schwer­den zur Finanz­aus­stat­tung der Kommunen. 

Zum Arti­kel beim Huma­nis­ti­schen Pressedienst →

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