25. Oktober 2026

HAI-Beirat Dieter Birnbacher zu Organspende nach Sterbehilfe und zur Differenzierung von Suizidformen

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „humanes leben humanes sterben” (HLS) analysiert HAI-Beirat Dieter Birnbacher zwei Streitfragen am Lebensende: die Voraussetzungen einer Organspende nach Sterbehilfe und die Abgrenzung freiverantwortlicher Suizide von suizidalen Krisen.

Im Heft 2026–4 der DGHS-Zeit­schrift „huma­nes leben huma­nes ster­ben” (hls) hat der Ethi­ker und HAI-Bei­rat Prof. Dr. Dr. h. c. Die­ter Birn­ba­cher zwei Bei­trä­ge veröffentlicht.

Im Titel­the­ma „Organ­spen­de nach Ster­be­hil­fe – Mög­lich­kei­ten und Gren­zen” (S. 4–8) unter­sucht Birn­ba­cher, ob sich selbst­be­stimm­tes Ster­ben mit einer Organ­spen­de ver­bin­den lässt. Nach gel­ten­der Pra­xis sind die Chan­cen dafür gering. Vor­aus­set­zung ist der zwei­fach fest­ge­stell­te irrever­si­ble Hirn­tod, bei durch­blu­te­ten Orga­nen im Abstand von min­des­tens zwölf Stun­den. Die­ser muss bei auf­recht­erhal­te­nem Kreis­lauf auf einer Inten­siv­sta­ti­on fest­ge­stellt wer­den. Hin­zu kom­men eine vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung und die medi­zi­ni­sche Eig­nung der Orga­ne. Am ehes­ten kommt eine Kom­bi­na­ti­on nach einem Behand­lungs­ab­bruch in Betracht. Beim Ster­be­fas­ten und ins­be­son­de­re bei der assis­tier­ten Selbst­tö­tung, die über­wie­gend im häus­li­chen Umfeld statt­fin­det und poli­zei­lich unter­sucht wird, ste­hen wei­te­re Hin­der­nis­se ent­ge­gen. Die in der Schweiz und meh­re­ren Nach­bar­län­dern ange­wand­te Organ­spen­de nach Herz-Kreis­lauf-Still­stand (DCD) könn­te einen Teil die­ser Pro­ble­me lösen, wird in Deutsch­land aber erst dis­ku­tiert. Zugleich pro­ble­ma­ti­siert Birn­ba­cher vor den Fol­gen einer Sui­zid­as­sis­tenz im Kli­nik­um­feld: „Der Tod wird ein Stück weit ‚medi­ka­li­siert’.” Aus ethi­scher Sicht müs­se Selbst­be­stimmt­heit ohne Druck und die per­so­nel­le Tren­nung von Ster­be­hil­fe und Organ­ent­nah­me gewähr­leis­tet wer­den. Außer­dem müs­se ver­mie­den wer­den, dass neue Vor­be­hal­te gegen­über Ster­be­hil­fe und Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin entstehen.

Im zwei­ten Bei­trag, „Zwei Arten des Sui­zids” (S. 9–11), wen­det sich Birn­ba­cher gegen einen undif­fe­ren­zier­ten Gebrauch des Begriffs „Sui­zid­prä­ven­ti­on”, wie er sich auch im Ent­wurf eines Sui­zid­prä­ven­ti­ons­ge­set­zes zei­ge: „Sui­zid wird mit einer fata­len Auto­ma­tik mit Sui­zid­prä­ven­ti­on asso­zi­iert”, so Birn­ba­cher. Eine ange­mes­se­ne Unter­schei­dung zwi­schen „ratio­na­len” und „nicht-ratio­na­len” Sui­zi­den sei durch­aus mög­lich, „sofern man
der im Recht, aber nicht in der All­tags­spra­che ver­an­ker­ten Ter­mi­no­lo­gie der ‚Frei­ver­ant­wort­lich­keit’ folgt”. Die­se setzt Ein­sichts- und Urteils­fä­hig­keit, Wohl­erwo­gen­heit unter Berück­sich­ti­gung von Alter­na­ti­ven, rela­ti­ve Dau­er­haf­tig­keit und Unab­hän­gig­keit von Nöti­gung durch Drit­te vor­aus. Eine trenn­schar­fe Gren­ze gebe es nicht, die Abgren­zung beru­he auf einem Bün­del von Merk­ma­len. Liegt Frei­ver­ant­wort­lich­keit vor, hat das Selbst­be­stim­mungs­recht Vor­rang, andern­falls das Fürsorgeprinzip. 

Quel­le: Birn­ba­cher, Die­ter: Organ­spen­de nach Ster­be­hil­fe – Mög­lich­kei­ten und Gren­zen (S. 4–8); Zwei Arten des Sui­zids (S. 9–11). In: huma­nes leben huma­nes ster­ben, Heft 2026–4. Online: https://www.dghs.de/fileadmin/content/05_aktuelles/magazin/pdfs/HLS_2026-4_Gesamt.pdf

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