13. März 2026

Zum Tod von Alan Musgrave

Am 20. Januar 2026 ist Alan Musgrave verstorben. Mit ihm verliert die Philosophie des Kritischen Rationalismus einen ihrer profiliertesten Vertreter.
Grete Albert, Alan Musgrave und Hans Albert

Mus­gra­ve wur­de 1940 in Man­ches­ter gebo­ren. Er stu­dier­te Phi­lo­so­phie und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an der Lon­don School of Eco­no­mics, wo er 1969 unter der Betreu­ung von Karl Pop­per pro­mo­vier­te. Im sel­ben Jahr wur­de er auf den Lehr­stuhl für Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­ty of Otago (Neu­see­land) beru­fen, den er bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung 2011 inne­hat­te. Die dor­ti­ge Phi­lo­so­phie-Abtei­lung lei­te­te er von 1970 bis 2005.

Mus­gra­ve und Hans Albert gehör­ten bei­de zum phi­lo­so­phi­schen Kreis um Karl Pop­per und ver­band eine lebens­lan­ge intel­lek­tu­el­le und per­sön­li­che Freund­schaft. Hans und Gretl Albert über­setz­ten Mus­gra­ves Haupt­werk Com­mon Sen­se, Sci­ence and Scep­ti­cism (Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 1992) ins Deut­sche; Mus­gra­ve gehör­te zu den Bei­trä­gern der Fest­schrift zu Ehren Hans Alberts. 

Ver­tei­di­ger des Realismus

Mus­gra­ves phi­lo­so­phi­sche Posi­ti­on lässt sich als kon­se­quen­te Ver­tei­di­gung des wis­sen­schaft­li­chen Rea­lis­mus und des Fal­li­bi­lis­mus beschrei­ben. Gegen idea­lis­ti­schen und kon­struk­ti­vis­ti­schen Strö­mun­gen in der Wis­sen­schafts­phi­lo­so­phie hielt er dar­an fest, dass wis­sen­schaft­li­che Theo­rien – auch wenn sie stets vor­läu­fig und fehl­bar sind – Aus­sa­gen über eine von uns unab­hän­gi­ge Wirk­lich­keit machen und durch Argu­men­te und Erfah­rung ratio­nal beur­teil­bar sind. 

Eng damit ver­bun­den war sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Skep­ti­zis­mus. In Com­mon Sen­se, Sci­ence and Scep­ti­cism kri­ti­sier­te er den im radi­ka­len Skep­ti­zis­mus inne­woh­nen­den Gewiss­heits­an­spruch, der zwar nicht wider­legt aber aus guten Grün­den zurück­ge­wie­sen wer­den kann. Wis­sen­schaft und All­tags­ver­stand ste­hen für ihn nicht im Wider­spruch, son­dern sind bei­de Aus­druck der­sel­ben ratio­na­len Grund­hal­tung, die sich durch Kri­ti­kof­fen­heit aus­zeich­net, ohne in Belie­big­keit zu ver­fal­len. In Essays on Rea­lism and Ratio­na­lism (Rod­o­pi, 1999) ver­sam­mel­te er zen­tra­le Auf­sät­ze, in denen er die­se Posi­ti­on gegen instru­men­ta­lis­ti­sche, rela­ti­vis­ti­sche und anti­rea­lis­ti­sche Posi­tio­nen ver­tei­dig­te – etwa gegen Kuhns Para­dig­men­theo­rie oder Feyer­abends metho­do­lo­gi­schen Anarchismus. 

2012 erhielt er die Huma­ni­ties Aro­nui Rese­arch Medal der Roy­al Socie­ty of New Zea­land, 2013 die Distin­gu­is­hed Rese­arch Medal der Uni­ver­si­ty of Otago – die höchs­te For­schungs­aus­zeich­nung der Uni­ver­si­tät. Eben­falls 2012 wur­de zu sei­nen Ehren das Alan Mus­gra­ve Scho­lar­ship in Phi­lo­so­phy ins Leben geru­fen, das inter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den ein Stu­di­um der Phi­lo­so­phie in Otago ermög­licht. Die der­zei­ti­ge Lei­te­rin des Fach­be­reichs Phi­lo­so­phie, Pro­fes­so­rin Hea­ther Dyke, traf sich 2012 mit Mus­gra­ve, um mit ihm über sein Leben, sei­ne aka­de­mi­sche Kar­rie­re und sei­ne phi­lo­so­phi­schen Ideen zu sprechen:

WEITERE BEITRÄGE

„Handbuch Utilitarismus“ erschienen 

Das neue „Hand­buch Uti­li­ta­ris­mus“ bie­tet einen aktu­el­len sys­te­ma­ti­schen Über­blick über Theo­rie und Pra­xis uti­li­ta­ris­ti­schen Den­kens. Mit dabei: Bei­trä­ge der HAI-Mit­glie­der Adria­no Man­ni­no, Eric Hil­gen­dorf und Die­ter Birn­ba­cher zu grund­le­gen­den Fra­gen mora­li­scher Aggre­ga­ti­on, zur Bedeu­tung des Uti­li­ta­ris­mus für das Recht und zur gerech­ten Res­sour­cen­zu­tei­lung im Gesundheitswesen.

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Podcast mit Geowissenschaftler & HAI-Beirat Horst Marschall

In der anek­do­ten­rei­chen Fol­ge von „Sinn­erfüllt. Huma­nis­ti­sche Lebens­ge­schich­ten“ erzählt Horst Mar­schall, Pro­fes­sor für Geo­wis­sen­schaf­ten und HAI-Bei­rat, aus­führ­lich von sei­ner Schul- und Stu­di­en­zeit, wobei ers­te­re alles ande­re als gerad­li­nig ver­lau­fen ist. Sein Bei­spiel zeigt, dass anti­quier­te Lehr­me­tho­den selbst klu­gen und inter­es­sier­ten Kin­dern das Ler­nen schwer machen kön­nen. In star­kem Kon­trast dazu steht für ihn die intel­lek­tu­el­le Frei­heit wäh­rend sei­ner eige­nen Stu­di­en­zeit und spä­te­ren Berufslaufbahn.

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Hans-Albert-Institut beim säkularen Dialog in Berlin

Die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on hat­te am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de erst­mals den Arbeits­kreis Säku­la­ri­tät und Huma­nis­mus (AKSH) der SPD sowie wei­te­re Inter­es­sier­te zu einer Ver­an­stal­tung unter dem Mot­to „Säku­lar. Soli­da­risch. Dia­log­be­reit.“ in den Marie-Juchacz-Saal des Reichs­tags­ge­bäu­des ein­ge­la­den. Das Hans-Albert-Insti­tut war durch sei­nen wis­sen­schaft­li­chen Koor­di­na­tor Flo­ri­an Che­fai vertreten.

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