Musgrave wurde 1940 in Manchester geboren. Er studierte Philosophie und Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics, wo er 1969 unter der Betreuung von Karl Popper promovierte. Im selben Jahr wurde er auf den Lehrstuhl für Philosophie an der University of Otago (Neuseeland) berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 2011 innehatte. Die dortige Philosophie-Abteilung leitete er von 1970 bis 2005.
Musgrave und Hans Albert gehörten beide zum philosophischen Kreis um Karl Popper und verband eine lebenslange intellektuelle und persönliche Freundschaft. Hans und Gretl Albert übersetzten Musgraves Hauptwerk Common Sense, Science and Scepticism (Cambridge University Press, 1992) ins Deutsche; Musgrave gehörte zu den Beiträgern der Festschrift zu Ehren Hans Alberts.
Verteidiger des Realismus
Musgraves philosophische Position lässt sich als konsequente Verteidigung des wissenschaftlichen Realismus und des Fallibilismus beschreiben. Gegen idealistischen und konstruktivistischen Strömungen in der Wissenschaftsphilosophie hielt er daran fest, dass wissenschaftliche Theorien – auch wenn sie stets vorläufig und fehlbar sind – Aussagen über eine von uns unabhängige Wirklichkeit machen und durch Argumente und Erfahrung rational beurteilbar sind.
Eng damit verbunden war seine Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus. In Common Sense, Science and Scepticism kritisierte er den im radikalen Skeptizismus innewohnenden Gewissheitsanspruch, der zwar nicht widerlegt aber aus guten Gründen zurückgewiesen werden kann. Wissenschaft und Alltagsverstand stehen für ihn nicht im Widerspruch, sondern sind beide Ausdruck derselben rationalen Grundhaltung, die sich durch Kritikoffenheit auszeichnet, ohne in Beliebigkeit zu verfallen. In Essays on Realism and Rationalism (Rodopi, 1999) versammelte er zentrale Aufsätze, in denen er diese Position gegen instrumentalistische, relativistische und antirealistische Positionen verteidigte – etwa gegen Kuhns Paradigmentheorie oder Feyerabends methodologischen Anarchismus.
2012 erhielt er die Humanities Aronui Research Medal der Royal Society of New Zealand, 2013 die Distinguished Research Medal der University of Otago – die höchste Forschungsauszeichnung der Universität. Ebenfalls 2012 wurde zu seinen Ehren das Alan Musgrave Scholarship in Philosophy ins Leben gerufen, das internationalen Studierenden ein Studium der Philosophie in Otago ermöglicht. Die derzeitige Leiterin des Fachbereichs Philosophie, Professorin Heather Dyke, traf sich 2012 mit Musgrave, um mit ihm über sein Leben, seine akademische Karriere und seine philosophischen Ideen zu sprechen:



