18. Oktober 2025

Tagung “Begegnungen in Grenzsituationen” in Graz 

Vom 10.-12. Oktober fand an der österreichischen Universität Graz die Tagung „Begegnungen in Grenzsituationen” statt, die einen Dialog zwischen philosophischer Praxis und Palliativversorgung herstellte. Jonas Pöld aus dem HAI-Direktorium zeigte in seinem Vortrag Schnittstellen zwischen analytischer Philosophie und therapeutischer Praxis auf.

Denkt man nur ein­mal an die Markt­platz­ge­sprä­che des anti­ken Sokra­tes, dann wird klar, dass Phi­lo­so­phie­ren kei­ne rein uni­ver­si­tä­re Ange­le­gen­heit ist: Viel­mehr kann der gemein­sa­me Aus­tausch über exis­ten­ti­el­le Fra­gen in viel­fäl­ti­gen Lebens­la­gen bedeut­sam sein – ins­be­son­de­re in den von Karl Jas­pers so bezeich­ne­ten „Grenz­si­tua­tio­nen”, die durch Erfah­run­gen von Ver­lust, Krank­heit und Tod gekenn­zeich­net sind. Im Rah­men der Kon­fe­renz in Graz ging es dar­um, mög­li­chen Ver­bin­dun­gen zwi­schen phi­lo­so­phi­scher Pra­xis und dem Feld der Pal­lia­tiv­ver­sor­gung nach­zu­ge­hen. Pal­lia­ti­ve Care kommt dann zum Tra­gen, wenn Per­so­nen unheil­bar erkrankt sind, sodass die Lin­de­rung ihres Lei­dens (z.B. in einem Hos­piz) fort­an im Vor­der­grund steht. Das Rin­gen um ein gutes Leben ange­sichts der mensch­li­chen Vul­nerabi­li­tät und Sterb­lich­keit ver­bin­det dabei Grund­the­men phi­lo­so­phi­scher Pra­xis und pal­lia­ti­ver Versorgung.

Jonas Pöld aus dem HAI-Direk­to­ri­um hielt einen Vor­trag über Poten­tia­le der ana­ly­ti­schen Phi­lo­so­phie im Umgang mit Grenz­si­tua­tio­nen am Bei­spiel Lud­wig Witt­gen­steins, der Phi­lo­so­phie als eine Form der The­ra­pie ver­stand, mit Hil­fe derer „Frie­den in den Gedan­ken” erreicht wer­den kann. In dem viel­fäl­ti­gen Tagungs­pro­gramm (bestehend aus Work­shops, Podi­ums­di­kus­sio­nen, Lesun­gen und Vor­trä­gen) ging es über­dies um Fra­gen nach einem phi­lo­so­phisch ange­mes­se­nen Ver­ständ­nis von Gesund­heit und Krank­heit, unter­schied­li­che For­ma­te des gemein­schaft­li­chen Phi­lo­so­phie­rens im pal­lia­ti­ven Kon­text wie auch um die The­ma­tik des assis­tier­ten Suizids. 

Wenn­gleich im Rah­men der Kon­fe­renz kon­tro­vers dar­über dis­ku­tiert wur­de, wel­che Zie­le, Metho­den und Qua­li­täts­kri­te­ri­en phi­lo­so­phi­sche Pra­xis im Rah­men der pal­lia­ti­ven Ver­sor­gung aus­ma­chen, so wur­den doch zahl­rei­che Schnitt­stel­len zwi­schen den bei­den Gebie­ten sicht­bar.  Die Kon­fe­renz zeig­te zudem, dass eine in der Sache kri­ti­sche Debat­te und ein acht­sa­mer Umgang mit­ein­an­der nicht im Wider­spruch zuein­an­der stehen.

Foto: Sofia Disson

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