16. Januar 2026

Vorträge: Aufklärung in Zeiten der Krise

In Kooperation mit dem "Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!)" veranstaltet das Hans-Albert-Institut zwei Vorträge, die sich mit der gegenwärtigen Bedeutung von Aufklärung und Kritischem Rationalismus auseinandersetzen. Am 13. Mai diskutiert der Philosoph und Historiker Philipp Blom die Frage, wie das Projekt der Aufklärung in Zeiten der Krise weitergedacht werden kann. Am 10. Juni folgt ein Vortrag von HAI-Direktoriumsmitglied Florian Chefai zum Konzept der "offenen Zukunft" aus kritisch-rationaler Perspektive. Beide Veranstaltungen finden im Forum Freies Theater in Düsseldorf statt und werden live gestreamt.

13.05.2006: Aufklärung in Zeiten der Verdunkelung
Florian Chefai im Gespräch mit Philipp Blom

Noch immer hängt unser Wohl­stand an der Nut­zung fos­si­ler Ener­gien, an einer Wirt­schaft, die auf Wachs­tum um jeden Preis baut – und an einem Selbst­ver­ständ­nis, das den Men­schen als Herr­scher über die Natur begreift. Doch zuneh­mend zeigt sich, dass die­se Hal­tung an ihre Gren­zen stößt. Der Pla­net heizt sich rasant auf, Arten ster­ben aus, und die sozia­len wie poli­ti­schen Span­nun­gen neh­men welt­weit zu. Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te, die Errun­gen­schaf­ten der Auf­klä­rung, ste­hen zuse­hends unter Druck, und je aku­ter die mul­ti­ple Kri­se wird, des­to ver­füh­re­ri­scher klin­gen die ein­fa­chen Ant­wor­ten der Popu­lis­ten.

Der Phi­lo­soph Phil­ipp Blom beschreibt unse­re Gegen­wart als eine Zeit des Umbruchs – eine Pha­se, in der wir die frü­he­ren Ver­spre­chen unbe­grenz­ten Wachs­tums und tech­ni­schen Fort­schritts kri­tisch hin­ter­fra­gen müs­sen. Und das ist gut so! Denn zu zwei­feln heißt, auf­zu­klä­ren und zu fra­gen: Gibt es bes­se­re Wege, gibt es bes­se­re Zie­le? Zwei­feln wir gemein­sam an ver­al­te­ten Welt­bil­dern und stel­len wir uns der Kom­ple­xi­tät rea­ler, exis­ten­zi­el­ler Ver­stri­ckun­gen. Doch wie kön­nen wir unse­ren Blick wei­ten und die Auf­klä­rung mutig wei­ter­den­ken? Wie kön­nen wir art­ge­rech­te Bedin­gun­gen für die Spe­zi­es Homo sapi­ens her­stel­len? Wie sieht ein Zukunfts­nar­ra­tiv aus, das von Hoff­nun­gen jen­seits der Illu­sio­nen erzählt? Dar­über spricht Flo­ri­an Che­fai mit dem Phi­lo­so­phen Phil­ipp Blom live vor und mit dem Publikum.

Phil­ipp Blom, Phi­lo­soph, His­to­ri­ker, Autor und Jour­na­list. Er wur­de 2011 mit sei­nem Buch Böse Phi­lo­so­phen über die hal­bier­te Auf­klä­rung ein Lieb­ling der säku­la­ren Sze­ne und ist seit 2015 Bei­rat in der Giord­a­no-Bru­no-Stif­tung. Vie­le sei­ner Bücher krei­sen um die Auf­klä­rung: „Das ver­nünf­ti­ge Unge­heu­er. Dide­rot, d’Alembert, de Jau­court und die Gro­ße Enzy­klo­pä­die“, 2005; „Die Welt aus den Angeln“, 2017; „Was auf dem Spiel steht“, 2017; „Das gro­ße Welt­thea­ter. Von der Macht der Vor­stel­lungs­kraft in Zei­ten des Umbruchs“, 2020; „Die Unter­wer­fung: Anfang und Ende der mensch­li­chen Herr­schaft über die Natur“, 2022 und zuletzt „Hoff­nung“.  Über ein klu­ges Ver­hält­nis zur Welt.“, 2024. Dane­ben mode­riert Phil­ipp Blom die Sen­dung „Punkt Eins“ auf dem öster­rei­chi­schen Kul­tur­sen­der Ö1, macht Fil­me wie die mehr­fach preis­ge­krön­te Doku­men­tar­se­rie „Der tau­meln­de Kon­ti­nent“ und kura­tiert Aus­stel­lun­gen in Euro­pa und den USA.
Phil­ipp Blom lebt in Wien und wird unse­rer Ver­an­stal­tung live zugeschaltet.

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10.06.2026: Die offene Zukunft und ihre Freunde – Kritischer Rationalismus in Zeiten der Krise

Kli­ma­ka­ta­stro­phe, KI-Revo­lu­ti­on, Krie­ge – die Welt scheint aus den Fugen gera­ten. Ange­sichts der gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen bli­cken west­li­che Gesell­schaf­ten immer pes­si­mis­ti­scher in die Zukunft und ver­lie­ren das Ver­trau­en in die libe­ra­le Demo­kra­tie. Wäh­rend sich vie­le Men­schen nost­al­gisch in eine ver­klär­te Ver­gan­gen­heit zurück­seh­nen, boomt der Markt für Hoff­nungs­li­te­ra­tur, die auf das ver­meint­lich „rich­ti­ge Mind­set“ setzt: Posi­ti­ves Den­ken wird als Ant­wort auf das kol­lek­ti­ve Unbe­ha­gen ange­prie­sen.

Zwi­schen Tech-Uto­pien und Welt­un­ter­gangs­angst ver­lie­ren wir aus dem Blick, was eigent­lich mög­lich wäre: eine nüch­ter­ne und zugleich zuver­sicht­li­che Art, die Zukunft als offe­nen Mög­lich­keits­raum zu betrach­ten. Doch wie lässt sich heu­te ver­nünf­tig über die Zukunft spre­chen, wenn Pro­gno­sen unzu­ver­läs­sig und Ent­wick­lun­gen kaum abseh­bar sind? Was macht es mit einer Gesell­schaft, wenn die Zuver­sicht auf ein bes­se­res Mor­gen ver­lo­ren geht? Was bleibt übrig von den Fort­schritts­ver­hei­ßun­gen der Auf­klä­rung?
Flo­ri­an Che­fai wird die­sen Fra­gen aus der Per­spek­ti­ve des Kri­ti­schen Ratio­na­lis­mus nach­ge­hen, wie er unter ande­rem von den Phi­lo­so­phen Karl Pop­per und Hans Albert ent­wi­ckelt wur­de. Er zeigt, dass eine offe­ne Gesell­schaft nicht auf Gewiss­hei­ten, son­dern auf Lern­fä­hig­keit und dem Mut zur Ver­gäng­lich­keit grün­det – und gera­de dar­in ihre Wider­stands­kraft gegen­über den Kri­sen der Gegen­wart fin­den kann.

Flo­ri­an Che­fai lei­tet als wis­sen­schaft­li­cher Koor­di­na­tor das Hans-Albert-Insti­tut und ist bei der Giord­a­no-Bru­no-Stif­tung für die Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit zustän­dig. Sei­ne The­men­schwer­punk­te lie­gen bei Fra­gen der Ethik, Rechts­phi­lo­so­phie und Ideen­ge­schich­te. Von 2015 bis 2019 war er stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur des Huma­nis­ti­schen Pres­se­diens­tes (hpd) und schrieb danach u. a. für das Phi­lo­so­phie-Maga­zin. Er beglei­te­te meh­re­re huma­ni­tä­re Pro­jek­te und beriet Insti­tu­tio­nen zu den The­men Radi­ka­li­sie­rung und Extremismus.

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WEITERE BEITRÄGE

Tagung “Begegnungen in Grenzsituationen” in Graz 

Vom 10.–12. Okto­ber fand an der öster­rei­chi­schen Uni­ver­si­tät Graz die Tagung „Begeg­nun­gen in Grenz­si­tua­tio­nen” statt, die einen Dia­log zwi­schen phi­lo­so­phi­scher Pra­xis und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung her­stell­te. Jonas Pöld aus dem HAI-Direk­to­ri­um zeig­te in sei­nem Vor­trag Schnitt­stel­len zwi­schen ana­ly­ti­scher Phi­lo­so­phie und the­ra­peu­ti­scher Pra­xis auf.

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Gerhard Streminger: Das Theodizee-Problem

Das Theo­di­zee-Pro­blem stellt eine der fun­da­men­tals­ten Her­aus­for­de­run­gen für den reli­giö­sen Glau­ben dar: Wie lässt sich die Exis­tenz eines all­mäch­ti­gen, all­wis­sen­den und all­gü­ti­gen Got­tes mit dem offen­sicht­li­chen Leid und Übel in der Welt ver­ein­ba­ren? Phi­lo­soph und HAI-Bei­rat Ger­hard Stre­min­ger ana­ly­siert sys­te­ma­tisch die ver­schie­de­nen Lösungsversuche.

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Freiverantwortlichkeit im Kontext der Suizidassistenz

In der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift für Medi­zin-Ethik-Recht (ZfMER) ana­ly­siert Prof. Die­ter Birn­ba­cher, Mit­glied im Bei­rat des Hans-Albert-Insti­tuts, die Fra­ge der Frei­ver­ant­wort­lich­keit bei der Sui­zid­as­sis­tenz im Kon­text psy­chi­scher Erkran­kun­gen. Aus­gangs­punkt sei­ner Unter­su­chung ist das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom Febru­ar 2020, das die Frei­ver­ant­wort­lich­keit als zen­tra­les Kri­te­ri­um für die Zuläs­sig­keit der Hil­fe zur Selbst­tö­tung bestimmt hat.

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