13.05.2006: Aufklärung in Zeiten der Verdunkelung
Florian Chefai im Gespräch mit Philipp Blom
Noch immer hängt unser Wohlstand an der Nutzung fossiler Energien, an einer Wirtschaft, die auf Wachstum um jeden Preis baut – und an einem Selbstverständnis, das den Menschen als Herrscher über die Natur begreift. Doch zunehmend zeigt sich, dass diese Haltung an ihre Grenzen stößt. Der Planet heizt sich rasant auf, Arten sterben aus, und die sozialen wie politischen Spannungen nehmen weltweit zu. Demokratie und Menschenrechte, die Errungenschaften der Aufklärung, stehen zusehends unter Druck, und je akuter die multiple Krise wird, desto verführerischer klingen die einfachen Antworten der Populisten.
Der Philosoph Philipp Blom beschreibt unsere Gegenwart als eine Zeit des Umbruchs – eine Phase, in der wir die früheren Versprechen unbegrenzten Wachstums und technischen Fortschritts kritisch hinterfragen müssen. Und das ist gut so! Denn zu zweifeln heißt, aufzuklären und zu fragen: Gibt es bessere Wege, gibt es bessere Ziele? Zweifeln wir gemeinsam an veralteten Weltbildern und stellen wir uns der Komplexität realer, existenzieller Verstrickungen. Doch wie können wir unseren Blick weiten und die Aufklärung mutig weiterdenken? Wie können wir artgerechte Bedingungen für die Spezies Homo sapiens herstellen? Wie sieht ein Zukunftsnarrativ aus, das von Hoffnungen jenseits der Illusionen erzählt? Darüber spricht Florian Chefai mit dem Philosophen Philipp Blom live vor und mit dem Publikum.
Philipp Blom, Philosoph, Historiker, Autor und Journalist. Er wurde 2011 mit seinem Buch Böse Philosophen über die halbierte Aufklärung ein Liebling der säkularen Szene und ist seit 2015 Beirat in der Giordano-Bruno-Stiftung. Viele seiner Bücher kreisen um die Aufklärung: „Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, d’Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie“, 2005; „Die Welt aus den Angeln“, 2017; „Was auf dem Spiel steht“, 2017; „Das große Welttheater. Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs“, 2020; „Die Unterwerfung: Anfang und Ende der menschlichen Herrschaft über die Natur“, 2022 und zuletzt „Hoffnung“. Über ein kluges Verhältnis zur Welt.“, 2024. Daneben moderiert Philipp Blom die Sendung „Punkt Eins“ auf dem österreichischen Kultursender Ö1, macht Filme wie die mehrfach preisgekrönte Dokumentarserie „Der taumelnde Kontinent“ und kuratiert Ausstellungen in Europa und den USA.
Philipp Blom lebt in Wien und wird unserer Veranstaltung live zugeschaltet.
10.06.2026: Die offene Zukunft und ihre Freunde – Kritischer Rationalismus in Zeiten der Krise
Klimakatastrophe, KI-Revolution, Kriege – die Welt scheint aus den Fugen geraten. Angesichts der großen Herausforderungen blicken westliche Gesellschaften immer pessimistischer in die Zukunft und verlieren das Vertrauen in die liberale Demokratie. Während sich viele Menschen nostalgisch in eine verklärte Vergangenheit zurücksehnen, boomt der Markt für Hoffnungsliteratur, die auf das vermeintlich „richtige Mindset“ setzt: Positives Denken wird als Antwort auf das kollektive Unbehagen angepriesen.
Zwischen Tech-Utopien und Weltuntergangsangst verlieren wir aus dem Blick, was eigentlich möglich wäre: eine nüchterne und zugleich zuversichtliche Art, die Zukunft als offenen Möglichkeitsraum zu betrachten. Doch wie lässt sich heute vernünftig über die Zukunft sprechen, wenn Prognosen unzuverlässig und Entwicklungen kaum absehbar sind? Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn die Zuversicht auf ein besseres Morgen verloren geht? Was bleibt übrig von den Fortschrittsverheißungen der Aufklärung?
Florian Chefai wird diesen Fragen aus der Perspektive des Kritischen Rationalismus nachgehen, wie er unter anderem von den Philosophen Karl Popper und Hans Albert entwickelt wurde. Er zeigt, dass eine offene Gesellschaft nicht auf Gewissheiten, sondern auf Lernfähigkeit und dem Mut zur Vergänglichkeit gründet – und gerade darin ihre Widerstandskraft gegenüber den Krisen der Gegenwart finden kann.
Florian Chefai leitet als wissenschaftlicher Koordinator das Hans-Albert-Institut und ist bei der Giordano-Bruno-Stiftung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Seine Themenschwerpunkte liegen bei Fragen der Ethik, Rechtsphilosophie und Ideengeschichte. Von 2015 bis 2019 war er stellvertretender Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes (hpd) und schrieb danach u. a. für das Philosophie-Magazin. Er begleitete mehrere humanitäre Projekte und beriet Institutionen zu den Themen Radikalisierung und Extremismus.



